Samstag, Oktober 21, 2017
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Milchpreisentwicklung und TTIP – Auswirkungen in Österreich

Österreichische Bauern fürchten um Ihre Existenz, denn der Milchpreis wird immer niedriger. Die Einnahmen reichen nicht mehr aus, um die Kosten decken zu können. Einen derartig schlechten Preis für die Milch gab es in den Jahren 2001 und 2005 schon einmal. Der Agrar-Ökonom Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) rechnet dennoch nicht mit einem Milchbauernsterben.

Die Entwicklung der letzten Jahre

In den letzten Jahren war die Milchpreis-Entwicklung vergleichbar mit einer Berg- und Talfahrt. Im Jänner 2008 erreichte der konventionelle Milchpreis einen Höhepunkt mit 40,5 Cent/kg. In den Jahren 2008/09 lag er nur mehr bei 25 Cent ab Juli 2009. Das war im Zuge der Wirtschaftskrise. Was folgte waren wütende Proteste der Milchbauern. Das hin und her ging weiter, nach einem Anstieg auf 42 Cent bis Anfang 2014, dann fiel der Preis wieder ab. 2005 sank der Preis seit Jahresanfang von 32,1 auf 31,1 Cent/kg am Jahresende. Der konventionelle Milchpreis lag im Sommer im Schnitt schon unter 30 Cent. Auch wenn die Kosten für Kraftfutter und Energie im Preis leicht gesenkt wurden, konnte das den Preisrückgang bei weitem nicht kompensieren.

Milchpreis und TTIP Österreich

(c)Bigstockphoto.com/110191007/toa55

Seit März bekommen die heimischen Milchbauern nur noch zwischen 27 Cent und 29 Cent, was für viele Betriebe kaum noch kostendeckend ist. Die Kosten der kleinstrukturierten österreichischen Milchwirtschaft in den Alpen und im Grünland liegen im Vergleich mit großen Betrieben und anderen EU-Staaten deutlich höher. Nur die Förderungen im Rahmen der Ländlichen Entwicklung der EU-Agrarpolitik machen die Aufrechterhaltung der Betriebe möglich.

TTIP?

Kann das transatlantische Freihandelsabkommen etwas daran ändern? Seit fast einem Jahr verhandeln die EU und die USA darüber. Es gibt Befürworter und genauso viele Gegner. Fritz Breuss vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung diskutiert in einem Arbeitspapier die Auswirkungen des TTIP auf Österreich.

Das Papier zeigt deutlich, dass das TTIP zur Überwindung der gegenwärtigen Krise nicht geeignet ist. Die positiven Effekte treten erst langfristig ein. Der Wohlstand in Österreich könnte im besten Fall bis 2023 um 2,71 Prozent steigen, wenn Zölle und andere Handelsbarrieren durch das TTIP abgebaut würden. Der Wohlstand wird mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gemessen. Das Bruttoinlandsprodukt in Österreich könnte im schlechtesten Fall aber auch nur 0,10 Prozent zulegen.

Die USA hätten einen größeren Nutzen vom TTIP. Der Zollschutz der EU liegt im Moment höher als der in den USA. Durch den Abbau der Handelshemmnisse würde die US-amerikanische Fahrzeugindustrie um 100 Prozent wachsen. Einen Profit hätten aber auch die Landwirtschaft der Europäischen Union sowie der Export von Nahrungsmitteln und Industriegütern

Fazit

TTIP kann den österreichischen Milchbauern unter Umständen helfen, aber nur auf lange Sicht. Kurzfristig haben sie keinen Nutzen davon.

Infos zum Milchpreis:

http://www.agrarnetz.com/thema/milchpreis

 

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