Dienstag, Juni 28, 2022
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Interview mit Autor und Geschäftsführer der ReachOn Gmbh – Niklas Hartmann

Niklas Hartmann ist Autor des Buches „Erfolgreich Influencer werden“ im mitp Verlag. Er ist Geschäftsführer der ReachOn GmbH, einer Social Media Agentur im Rhein-Main-Gebiet mit dem Schwerpunkt Influencer Marketing. Des Weiteren ist er Kolumnist für das DUP-Unternehmermagazin.

 

  1. Herr Hartmann, zu Beginn eine ganz offene Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Influencer Marketings? Eine Studie von Launchmetrics hat 2017 vorausgesagt, dass die Bedeutung steigen wird. Damit hatten sie recht. Hält dieser Trend an?

Die Influencer Marketing Branche gewinnt weiter an Bedeutung. Immer mehr Menschen entdecken die sozialen Medien für sich, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Weiterhin ist dieses Feld immer noch Neuland für Entscheider. Daher werden auch in Zukunft neue Unternehmen auf den Influencer Marketing Zug aufspringen.

Ich bin überzeugt, dass dieser Trend anhält. Dennoch werden wir nicht mehr so hohe Wachstumsraten wie zu Beginn sehen.

Meine Auffassung ist es, dass Influencer in Zukunft unabhängiger von Marken werden. Sie werden Unternehmen aufbauen und eigene Kollektionen, Produkte und Dienstleistungen anbieten. Ich bin überzeugt, dass sich Influencer vom Creator zum Unternehmer wandeln. Wir werden viel mehr Influencer vorfinden, die eigene Geschäftsmodelle entwickeln.

Die Entwicklung vom Influencer zum Unternehmen wird sich somit noch beschleunigen.

  1. Welche Rolle wird Augmented Reality (AR) in der Zukunft in Ihrer Branche spielen?

Die Relevanz von Augmented Reality wird in Zukunft weiter zunehmen. Ich stelle bereits jetzt fest, dass Augmented Reality in Social Media Filtern zum Einsatz kommt. Das stellt für mich jedoch erst den Anfang dar.

Ich bin überzeugt, dass wir in der Zukunft Augmented Reality beim Online Einkaufen auf Social Media und beim Austausch mit Kontakten erleben. Dafür fehlt jedoch noch das richtige Produkt, das AR in unseren Alltag integriert. Weiterhin fehlt die Akzeptanz von Konsumentenseite her.

Ich sehe, dass AR langfristig an Bedeutung zunimmt. Dafür müssen jedoch noch einige Schritte getan werden. Branchenriesen wie Facebook treiben diese Entwicklung jedoch voran.

  1. Wie sehen Sie das Problem der Glaubwürdigkeit? Läuft diese Werbeform in die Gefahr, die Authentizität zu verlieren, welche das Influencer Marketing eigentlich ausmacht?

Die schwarzen Schafe der Branche haben dem Ruf des Influencer Jobs bereits geschadet. Aus diesem Grund müssen Influencer und Agenturen bereits heute viel Überzeugungsarbeit leisten, um Kunden zu überzeugen. Das Influencer Marketing wird grundsätzlich von den Kunden wertgeschätzt. Die Erfahrungen sprechen für sich. Viele Unternehmen können den Umsatz erheblich steigern.

Dennoch gibt es Misserfolge, die nachdenklich machen. Das sind Kooperationen mit Influencern, die Hunderttausende von Followern haben, aber dennoch nur wenige Verkäufe erzielen.

Aus diesem Grund wird der Wert der Glaubwürdigkeit in Zukunft weiter zunehmen. Es werden lediglich die Influencer bestehen, die authentisch zu ihren Werten und Abonnenten stehen. Die Follower werden sich tägliche oder häufige Produktplatzierungen, die keine Übereinstimmung zur Marke des Influencers aufweisen, nicht gefallen lassen.

  1. Die Zeiten ändern sich rasant. Der Lehrplan in den Schulen nicht. Sie haben kürzlich ein Buch mit dem Namen „Erfolgreich Influencer werden“ verö Glauben Sie, dass die digitale Bildung auch in Schulen in den kommenden Jahren ihren Einzug halten wird?

Ich habe keine große Hoffnung, dass sich die digitale Ausbildung verbessert. Die meisten Lehrer verfügen nicht über die nötigen digitalen Kenntnisse, um Schüler dementsprechend weiterzubilden.

Der durchschnittliche Lehrer ist 46,5 Jahre alt. Instagram, TikTok & Co. gehören somit nicht zu Plattformen, die die Lehrkraft standardmäßig bedienen kann. Es benötigt Experten (abseits des klassischen Ausbildungswegs), die Schülern diese wichtige Erkenntnisse vermitteln.

Das liegt jedoch nur bedingt an den Lehrern. Die Änderungen sind enorm. In kürzester Zeit verschwinden Funktionen. Neue Plattformen entstehen. All das benötigt eine kontinuierliche Auseinandersetzung. Diese Zeit steht Lehrkräften häufig nicht zur Verfügung.

  1. Viele junge Leute versuchen derzeit, ihr Hobby zum Beruf zu machen und Influencer bzw. Influencerin zu werden. Das Problem, das hier viele sehen ist folgendes: Der Markt wird „überschwemmt“ und viele machen sich von einer Plattform abhängig. Wie wird man denn in diesem Haifischbecken als Influencer bzw. Influencerin in der Zukunft relevant bleiben?

Es ist richtig, dass der Markt von vielen Profilen überschwemmt wird. Es sind drei Merkmale entscheidend, um in Zukunft relevant zu bleiben:

  • Qualitativ hochwertige Inhalte
  • Wissen rund um das Publikum
  • sowie das richtige Netzwerk an Menschen

Die Anzahl der Nutzer, die Inhalte zur Verfügung stellen, steigt stetig. Jeden Tag entstehen neue Social Media Profile und damit Wettbewerber. Die entscheidende Frage ist: Wie heben sich Social Media Nutzer von ihren Konkurrenten ab?

Die Antwort ist:

Das gelingt nur mit hochwertigen Inhalten. Hochwertige Inhalte sind Beiträge, die das Interesse deines Publikums wecken. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass du dich kontinuierlich mit deinem Publikum auseinandersetzt.

Welche Interessen hat dein Publikum? Sobald du diese Frage zufriedenstellen beantworten kannst, gelingt es dir, hochwertige Inhalte zu erstellen.

Dein persönliches Netzwerk an Kontakten kann beim Wachstum beschleunigend wirken. Kennst du viele Nutzer mit Tausenden von Followern, kannst du so neue Abonnenten gewinnen.

  1. Handwerksbetriebe suchen derzeit händeringend nach jungen Leuten in ihrer Branche. Gleichzeitig investieren diese Betriebe verhältnismäßig wenige Ressourcen in digitale Werbung und Influencer Marketing. Sehen Sie hier Chancen für die Zukunft für diese Branchen?

Auf jeden Fall. Meine Erfahrung ist, dass insbesondere Handwerksbetriebe die möglichen Chancen des Influencer Marketings unterschätzen. Handwerksbetriebe müssen sich dort aufhalten, wo sich ihre Kunden befinden. Sie möchten neue Nachwuchskräfte gewinnen. Aus diesem Grund müssen die Unternehmen auf Plattformen wie Instagram und TikTok zugegen sein.

Aus diesem Grund sind diese Plattformen für Handwerksunternehmen eine große Chance, um neue Bewerber zu gewinnen.

  1. Derzeit, und hier hat Corona sicher mitgeholfen, sind Podcasts in aller Munde. Podcasts können auch in einer Art und Weise als Influencer Werkzeug verstanden werden. Wie sehen Sie die Entwicklung von Podcasts bzw. des Audio-Formats allgemein in der Zukunft?

Audio-Inhalte werden weiter an Bedeutung gewinnen. Der Vorteil liegt ganz klar in der Passivität des Mediums. Nutzer können während dem Zuhören Sport machen, Arbeiten oder Entspannen.

Bisher sehen wir nur einige große Podcasts im deutschsprachigen Raum. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es in Zukunft Audio-Influencer geben wird. Diese werden primär durch ihren Podcast bekannt.

Netflix hat einen Head of Podcast eingestellt. Audible Original Productions begeistern viele Zuhörern. Selbst deutschsprachige Radios bringen mit der Plattform Podyou eine Audio-Plattform heraus. 

  1. Neben dem Influencer Marketing beraten Sie Unternehmen zum Beispiel auch in Richtung TikTok Marketing. Was macht die Plattform TikTok derzeit aus Ihrer Sicht so interessant – auch für die Zukunft?

TikTok ermöglicht in kurzer Zeit eine enorme Reichweite aufzubauen. Doch dieser Vorteil ist zugleich ein Nachteil. Deine Reichweite kann in kurzer Zeit massiv einbrechen. Wenn Nutzer gestern Hunderttausende Besucher hatten, können es heute nur noch Zehntausende sein.

Die Plattform ermöglicht somit schnelleren Erfolg in kürzester Zeit, ist aber gleichzeitig risikoreicher.

Weiterhin ist die Plattform interessant für Unternehmen, die eine junge, medieninteressierte Zielgruppe erreichen wollen. Möchten Unternehmen junge Nutzer erreichen, ist TikTok die richtige Adresse.

  1. Zum Abschluss die Frage, die ich allen Gästen stelle: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Mein Ziel ist es, unsere Agentur international aufzubauen. Daher möchte ich, dass wir in den nächsten 5 Jahren einen Geschäftsstandort in den USA aufbauen. Für mich sind die USA im Bereich Marketing die Nummer 1.

Daher bietet der Austausch mit US-amerikanischen Marketingkollegen viel Potential. Weiterhin kann ich mir vorstellen, dass wir noch mehr im Bereich Videoproduktion tätig werden. Das würde sich gut zum Social Media Themenbereich ergänzen.

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