Freitag, April 27, 2018
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Das Weisat – Ein Brauch mit langer Tradition

Das Weisat – Herkunft und Etymologie

Wir alle kennen die Geschichte von den Heiligen drei Königen, die ihre Gaben zum Jesuskind brachten. Im Weisat findet sich auch heute noch in Österreich dieser Brauch und diese Tradition wieder. Etymologisch können zwei unterschiedliche Wort-Ursprünge ausgemacht werden: (1) Zum einen lässt es sich von dem Lateinischen ‚visitare‘ ableiten, was soviel wie ‚Besuchen‘ bedeutet. (2) Zum anderen hat es auch Anknüpfungen an das althochdeutsche Wort ‚Wisod‘, was soviel bedeutet wie ‚Geschenk‘. Das dem ‚Wisod‘ zugehörige Verb ‚wisen, gewist‘ bedeutet soviel wie ‚Übergabe‘, ‚geben‘ oder ’schenken‘.
Heute ist das Weisat ein Brauch, der insbesondere zur Geburt eines Babys vollzogen wird. Haben einst die Weisen aus dem Morgenland ihrem neugeborenen König ihre Gaben in Form von Weihrauch, Gold und Myrrhe gereicht. So sind es heute andere ‚Weisen‘, die sich mit ihren Geschenken um das Wohl des Neugeborenen und Neuankömmlings sorgen und kümmern.

Hochzeit. Taufe. Geburt. Ein Brauch lebt weiter

Doch das ‚Weisen‘ bezieht sich in Österreich und Südbayern nicht nur auf die Geburt und das Willkommen-Heißen eines neuen Lebens auf der Welt. Es ist vor allem auch ein ritueller Brauch auf Hochzeiten, wenn es um das Einsammeln der Geschenke und Geldgaben geht. Offiziell unterliegt das Weisen auf Hochzeiten allerdings bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts einem Verbot. 1553 wurde urkundlich festgehalten, dass Familienangehörige und enge Freunde dem Brautpaar außerhalb der Hochzeit eine Beigabe schenken dürften; nicht aber zur und während der Hochzeit. Mit dem Landrecht von 1616 wurde eine weitere Einschränkung des ‚Weisens‘ gesetzeskräftig. Denn es wurde nur den höheren Ständen, wie Adel, Rittern, Ärzten, Räten und alten Geschlechtern gestattet.

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(c)Bigstockphoto.com/212302222/Natalia Deriabina

Ebenfalls nicht an die Geschenkgabe zur Geburt gebunden, war das Weisat im Mittelalter. Die Spuren des Brauches mit langer Tradition lassen sich eben lange und deutlich zurückverfolgen. Im Mittelalter wurde das Weisat als eine freiwillige Gabe in Form von Naturalien praktiziert. Dieses wurde zu ausgewählten Fest- und Feiertagen der Kirche oder aber dem Grundherren übergeben. In der Osterzeit schenkte man Eier. Zu Weihnachten versmehrt Käse. War das Weisat zu Beginn noch eine freiwillige Gabe, so wurde sie später obligatorisch und Bauern dazu verpflichtet sie an Kirche und Gutsherr abzutreten; wenn nicht in Naturalien, dann zumindest in dem entsprechenden Gold- und Geldwert.

Heute wird das Weisat in Österreich als an die Tradition der Heiligen drei Könige anknüpfende Gabe an Neugeborene gelebt, die völlig frei und ohne Obligatorik übergeben wird. Diese Gabe sollte aber etwas Nützliches sein, was das Neugeborene gebrauchen kann. Wie eine kreative und ansprechende Windeltorte. Windeltorten sind aus Windeln geformte Tiere oder Gegenstände, die einer Tortenform ähneln. Windeln braucht ein Neugeborenes immer. Nützlich sind sie dann wohl auch … und die Windeltorte ein gutes Weisat-Geschenk.

Ein wenig erinnert das Weisat auch an moderne Babyparties, bei denen die Gäste Mutter und Baby mit Geschenken überhäufen, das Neugeborene in der Welt und im Leben begrüßen und empfangen und dafür von der Hausmutter verköstigt werden. Denn diese Verköstigung gehört zu einem traditionellen Weisat ebenso. Das liest sich zumindest in einem Tiroler Bericht aus dem Jahr 1947, bei dem ‚die Nachbarinnen mit kaltem Fleisch, Kaffee, Semmeln und Kuchen bewirtet wurden‘, wenn sie mit den Geschenken zur Weisat bei der Kindsmutter vorbeikamen.

Doch ganz der modernen Babyparty entspricht das traditionelle Weisat in Österreich und Süddeutschland dann doch nicht. Denn als Brauch und Tradition wird der Pate und die Patin als besonderer Besuch noch mit einbezogen. Sie besuchen die Wöchnerin mit ihrem Neugeborenen und übergeben ihre Gaben, meistens in der ersten Woche nach der Geburt. Sie werden zu den Weisen, wie einst die Heilige drei Könige. Anfangs wurden noch zusätzlich stärkende Speisen mitgebracht. Zu Beginn des 20. Jahrhundert war es üblich Eier, Brot, Zucker, Wein, Kaffee, Met oder sogar ein ganzes Huhn für eine kräftigende Suppe mitzubringen. Heute kommen eher Windeltorten für das Baby in Frage, als stärkende Gaben für die Mutter.
Einst war es sogar üblich, dass die Paten zwei Mal ‚in die Weisat‘ gingen. Einmal direkt unmittelbar in den ersten drei Tagen nach der Geburt zur ‚Vor-Weisat‘. Hier wurde von der Patin der Wöchnerin ein mürbes Brot überreicht und sie hatte sich nach ihrem Wohlergehen und Befinden zu erkunden. Ein zweiter Besuch der Paten erfolgte ein wenig später; mit Gaben für das Kind und die Wöchnerin.
Später wurde es dann aber in Österreich üblich, dass das Weisat nur noch zur Geburt des jeweils ersten Kindes gefeiert und zelebriert wurde. So auch in Niederbayern, wo der Vater des erstgeborenen Kindes zur Weisat die Paten mit Braten, Bier und Gesottenes versorgte.

So wie Wöchnerin und Kindesvater verpflichtet sind, die Paten zu versorgen, so haben aber auch Paten, Nachbarn und verwandte ihrer Pflicht anzukommen, der gewordenen Mutter einen Besuch abzustatten und dem Neuankömmling auf dieser Welt Geschenke und Gaben zu überreichen. Dies hat immer einige Tage nach der Taufe zu erfolgen. Das ist die klassische Weisat.
Auch wenn noch häufig bei jedem geborenen Kind das Weisat gereicht wird, so bezieht sich die Verpflichtung lediglich auf das erstgeborene Kind. Auch in Tirol und anderen Teilen Österreichs und Südbayerns.

Eine Abwandlung zur Weisat hat sich in Imst /Tirol etabliert, bei der zum Erstgeborenen ausschließlich jene Gäste kommen, die auch zur Hochzeit geladen waren. Das Weisat ist somit ein Dankeschön für das Mahl der Hochzeit.

Einst waren das Weisat das Geschenk, was der Wöchnerin und ihrem Baby ans Bett gebracht wurde. Dann hat das Weisat traditionell einige Änderungen erfahren. Heute sind damit immer noch Geschenke und Gaben gemeint, von denen das Kind und die Eltern profitieren. So auch eine lustige Windeltorte.

Weitere Infos zum Thema:

http://www.enjoyliving.at/lieben-und-leben-magazin/nachwuchs/schwangerschaft-und-baby/traditionsvergleich-geburt-in-afrika-und-oesterreich.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Weisat

Das Weisat – Ein Brauch mit langer Tradition
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