Montag, November 29, 2021
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Gemeinsam unterwegs am Tag der offenen Grabung zu den Pfahlbauten von Weyregg

Am diesjährigen Tag des Denkmals am 25. September lädt die Grabungsmannschaft des Forschungsprojektes Zeitensprung zum Tag der offenen Grabung in ihre provisorische Basis nach Weyregg am Attersee. Mit Bootsfahrten zur aktuellen Unterwasser-Ausgrabungsstätte und Fundmaterial aus der Stein- und Bronzezeit bieten sich für die Besucherinnen und Besucher ungewöhnliche Möglichkeiten, Unterwasser-Archäologie hautnah zu erleben.

Unterwasser-Ausgrabung_KuratoriumPfahlbauten_kl
Das Motto des heurigen Tages des Denkmals „Gemeinsam unterwegs“ am 25. September hat sich die Grabungsmannschaft des Forschungsprojektes Zeitensprung besonders zu Herzen genommen. Das zwölfköpfige Team, das sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Oberösterreichischen Landesmuseums und des Kuratoriums Pfahlbauten zusammensetzt, untersucht zurzeit die Siedlung vor Weyregg am Westufer des Attersees. Gemeinsam mit den Besuchern wird das Team am Sonntag ab 10.00 Uhr vormittags immer wieder zum Ort der aktuellen Ausgrabung fahren, der von Land aus nicht zu sehen ist. „Wir haben heuer ein Bugklappenboot angeschafft, weil es für das Monitoring der UNESCO-Welterbestätten speziell im Attersee optimale Arbeitsvoraussetzungen bietet und auch für Forschungen wie die aktuellen in Weyregg gebraucht wird“, erklärt Cyril Dworsky, der Geschäftsführer des Kuratoriums Pfahlbauten, der sich darauf freut, wenigstens an diesem Tag mit dem Forschungsboot die unzugängliche Grabungsstelle der Allgemeinheit zugänglich machen zu können.
Auch in der Fundbearbeitung in der provisorischen Forschungsbasis, die im örtlichen Strandbad eingerichtet wurde, wird Wert darauf gelegt, Barrieren zwischen Forschungsteam und Interessierten abzubauen. Erstmals wirken heuer auch wieder Freiwillige als Citizen Scientists mit. Das hat in der Pfahlbauforschung Österreichs eine besondere Tradition, denn in den 1970er und 1980er Jahren waren es Sporttaucherinnen und Sporttaucher, die die Grundlagen des heutigen Kenntnisstandes erarbeiteten.
Am Tag der offenen Grabung werden aber auch normale Besucher einmal Hand an frisch geborgene Fundobjekte legen können, die zum Teil älter sind die bekannte Eismumie Ötzi. Die Restauratorin Heike Rührig, die vom Oberösterreichischen Landesmuseum aus die Fundrestaurierung im Forschungsprojekt Zeitensprung leitet, erklärt dazu: „Es ist uns wichtig, dass die Leute verstehen, was genau passiert zwischen jenem Moment, wo der Fund geborgen wird, bis zu dem Zeitpunkt, wo er dann im Museum ausgestellt wird.“ „Man versteht am besten, wenn man Dinge selbst tun darf“, ergänzt Carmen Löw, die im Kuratorium Pfahlbauten unter anderem als Ansprechperson für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
Besondere was den Schutz der Pfahlbau-Siedlungen und hier natürlich vor allem der UNESCO-Welterbestätten anbelange, seien die Menschen in der Region unverzichtbare Helfer. „Es genügt halt nicht, einfach nur zu sagen, dass diese Denkmäler schützenswert sind, damit sie am Ende auch wirklich alle geschützt werden. Ihren Zauber und ihre Faszination können die Pfahlbauten nur dann entfalten, wenn man genau hinschaut“. Dazu anzuregen sei eine der Hauptaufgaben des Kuratoriums, betont Löw, die auf zahlreiche Gäste beim Tag der offenen Grabung hofft.
Hintergrundinformationen
Das Projekt „Zeitensprung“ wird finanziert vom Land Oberösterreich. Die Projektleitung hat Jutta Leskovar vom Oberösterreichischen Landesmuseum inne. „Zeitensprung“ wird in enger Kooperation mit dem Kuratorium Pfahlbauten durchgeführt, das neben dem Experten für Pfahlbau-Forschung Cyril Dworsky auch den Grabungsleiter Henrik Pohl und dessen Stellvertreterin Helena Seidl da Fonseca stellt. Das Projekt ist Teil einer großen Forschungsinitiative zum Thema Pfahlbauten. Beteiligt sind unter anderem auch die Universitäten Wien und Innsbruck, die Universität für Bodenkultur Wien und die Akademie der Wissenschaften.

Gastbeitrag – Text, Infos und Bild: Carmen Löw, Kuratorium Pfahlbauten

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